Die zwei Gesichter der Nicoya Peninsula

Die Strände von Montezuma und Santa Theresa begeistern mich durch ihre Weite. Türkises Wasser und weißen Bilderbuchsand können sie nicht bieten, stattdessen naturbelassene Küste und entspannte Atmosphäre soweit das Auge reicht. Den Küstenörtchen selbst kann ich hingegen wenig abgewinnen. Surfer mit coolen Sonnenbrillen und Hippies rasen lässig auf knatternden Quads durch die holprigen Straßen und Hüllen die vielen Hostels, Cafés und Reisebüros in eine große Staubwolke.

Nach vier Tagen verabschiede ich mich schweren Herzens von Megan und Dylan und mache mich auf den Weg in nördlichere Gefilde. Ursprünglich hatte ich geplant, entlang der Westküste vorbei an unzähligen Stränden nach Tamarindo zu radeln. Ich lese und höre jedoch, dass dieser Weg durch zahlreiche Flüsse führt und selbst mit einem Auto inklusive Allradantrieb nur bedingt empfohlen wird. Deshalb entscheide ich mich für den etwas weiteren Weg und radle zurück nach Paquera. Von dort führt eine 24km lange Schotterpiste nach Naranjo, die mir mit ihren steilen Anstiegen und Abfahrten einiges abverlangt. Besonders in dieser ländlichen Gegend mache ich im Laufe des Tages erneut mehrmals Bekanntschaft mit eher unsympathischen Wachhunden, die Gefallen daran finden, mir unter lautem Gebell in möglichst geringer Distanz hinterher zu sprinten.

In zwei weiteren Tagesetappen radle ich über Nicoya (70km) nach Tamarindo (60km). Die Straßen sind in gutem Zustand und führen nahezu flach durch weite Felder und Wälder. Im Landesinneren der Nicoya Peninsula herrscht kaum Tourismus. Stattdessen grüßen mich in diesen Tagen zahlreiche drahtige Bauern, die mit ihren Macheten in mühevoller Arbeit ihre Felder pflegen. Dieses Bild wandelt sich schlagartig mit meiner Ankunft im Küstenort Tamarindo. Riesige Hotelburgen stehen hier dicht an dicht und versuchen durch überdimensionale Hinweisschilder auf dich aufmerksam zu machen. Der kleine Ort ist proppenvoll mit Reisebusen und sonnengebräunten Touristen. Im Hostel werde ich aufgeklärt: es ist Thanks-Giving-Woche, weshalb derzeit besonders viele US-Amerikaner ihren Urlaub in Tamarindo verbringen. Der Ort ist bekannt für seine konstanten Surfwellen und das bunte Nachtleben. Außerdem gibt es hier einige Sprachschulen, die Spanischkurse anbieten. Ich entscheide mich für „Wayra“ und buche für die darauf folgende Woche einen 5-Tage Crashkurs. In den nächsten Tagen zelebriere ich die Kunst des Nichtstuns und genieße die freie Zeit. Während der Muskelkater langsam leichter wird, kommt langsam auch mein Kopf im Urlaub an.

Playa Santa Theresa
Gute Straßen und schöne Landschaft zwischen Cobano und Paquera
Flacher Abschnitt der Schotterpiste zwischen Paquera und Naranjo
Der romantische Anfang der Route 21 in Richtung Nicoya

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