Estimated Time of Arrival: 07:35 Uhr. Punkt 07:30 Uhr stehe ich am Ausgang des Internationalen Flughafens Bocas del Toro und damit zugleich am Ende der winzigen Landebahn. Es ist der 23. Dezember, die Flughafenmitarbeiter tragen passenderweise Weihnachtsmützen und sind entsprechend gut gelaunt. Vermutlich ist auch das der Grund, warum außer mir niemand die 25 Minuten Verspätung zu bemerken scheint, mit der die Maschine aus Panama City aufsetzt.

Nach fast 6 Wochen alleine auf Reisen freue ich mich, an diesem Tag meine Freundin Janika in die Arme schließen zu können. Während ihr Masterstudium über Weihnachten für zweieinhalb Wochen pausiert, wollen wir gemeinsam durch Panama reisen. Nachdem ich noch immer über meine weiteren Radreisepläne grüble und Janika ohne Fahrrad reist, fällt es mir nicht schwer für diese Zeit auf motorisierten Transport in Busen umzusteigen.
Auf Bocas del Toro nehmen wir uns ein paar Tage Zeit und genießen die Strände der verschiedenen Inseln. Im Hostal Dona Irma werden wir aus gegebenem Anlass von der Dame des Hauses mit Kuchen und Sekt versorgt. Heiligabend feiern wir gemeinsam mit einem Finnen, den ich in Costa Rica kennengelernt und auf Bocas wieder getroffen habe und Rutger aus Holland, der ebenfalls mit dem Rad reist – allerdings in entgegengesetzter Richtung.



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Nach fünf Tagen Entspannung machen wir uns auf den Weg zu einem Hostel in den Bergen Panamas mit dem passenden Namen „Lost and Found„. Die Busse auf dieser Strecke sind klein und so muss mein Rad auf dem Dach Platz finden. Mit einem mulmigen Gefühl beäuge ich die Gepäckjungs beim Befestigen meines Drahtesels und frage mich, ob Physikunterricht und im besonderen Haft- und Fliehkräfte Bestandteil der panamaischen Allgemeinbildung sind. Doch abgesehen von einer verlorengegangenen Trinkflasche (die ich unvorsichtigerweise am Rad gelassen hatte) bleibt alles heil und wir erreichen am späten Nachmittag die Unterkunft. Im Wald hinter dem Hostel laden verschiedene Trails zum wandern ein. Bei fast herbstlichen Temperaturen erkunden wir einen davon. Zurück im Hostel bekommen wir am Abend die Möglichkeit mit einem Honigbären zu spielen.



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Unser nächster Stopp ist Boquete. Dort erwarten uns ähnliche Temperaturen aber besseres Wetter. Zum Jahresabschluss entscheiden wir uns den Vulcan Baru, seines Zeichens höchster Punkt Panamas mit 3.475m zu besteigen. Ein Minibus bringt uns um Mitternacht gemeinsam mit einigen anderen Wanderern zum Ausgangspunkt auf ca. 1.800m. Nach 6 Stunden Aufstieg erreichen wir den Gipfel gerade rechtzeitig, um die ersten Sonnenstrahlen begrüßen zu können.



Sowohl für Janika als auch mich, ist das der bislang höchste, selbst erklommene Gipfel. Der Rückweg entpuppt sich jedoch als zäher als gedacht und so sind wir froh, als uns ein panamaisches Ehepaar die letzten zwei der insgesamt 28km Fußmarsch mit einer Fahrt in seinem Jeep erspart.
Nach einem Ruhetag in Boquete machen wir in Panama’s zweitgrößter Stadt David Halt. Hier nächtigen wir in einem Baumhaus im Bambu Hostel und bekommen beim Frühstück Gesellschaft von einem Nasenbären. Greg, der Besitzer des Hostels hatte mir netterweise auch erlaubt, mein Fahrrad während unseres Aufenthalts in Boquete bei ihm unterzustellen.


Bei Temperaturen um die 33 Grad, erfrischen wir uns in den nahegelegenen Cangilones de Gualaca.

Von David führt der Interamerican Highway auf direktem Weg nach Panama City. Wir entscheiden uns für einen Nachtbus und staunen nicht schlecht ob des Komforts, den der nagelneue Doppeldecker bietet. Im großen Gepäckfach findet auch mein Fahrrad ohne Probleme Platz.
Panama City überrascht uns mit einer üppigen Skyline und einem äußerst geschmacklosen Exemplar aus der Sammlung an Hotels, des gerade frisch gewählten US-Präsidenten in direkter Nachbarschaft zu unserem Hostel.



Am nächsten Tag machen wir uns direkt auf den Weg zu den sogenannten San Blas Inseln. Nach einer 3-stündigen Autofahrt und 40-minütigen Bootstour erreichen wir Inas Island – eine von 365 Inseln. Fließendes Wasser, Handyempfang und WiFi sowie Strom für alle Gäste sucht man hier vergebens. Dafür gibt es fangfrischen Fisch und Hummer, weißen Sandstrand und türkises Wasser all day long. Wir bleiben vier Tage und genießen die Abgeschiedenheit.





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Zurück in Panama City statten wir dem berühmt berüchtigten Kanal einen Besuch ab. Der Eintrittspreis lässt uns zwar staunen (400% Touristenaufschlag inklusive), doch wir werden mit zwei großen Kreuzfahrtschiffen entlohnt, die vor unseren Augen die Schleuse passieren.

Und dann heißt es auch schon wieder Abschied nehmen. In zweieinhalb Wochen haben wir gemeinsam fast ein ganzes Land bereist. Zweisamkeit und eine kleine Fahrradpause haben mir gut getan. Der Abschied fällt schwer, doch Janika muss zurück nach Maastricht, um ihr Studium zu Ende zu bringen. Ich bleibe zunächst ein paar Tage in Panama City und plane den nächsten Abschnitt meiner Reise. Es soll nach Kolumbien gehen, doch wie steht noch in Frage…
