Abenteuer „Darien Gap“ – auf nach Kolumbien!

Panama City erweist sich als perfekter Ort, um Dinge zu erledigen. Schnelles Internet, riesige Shopping Malls und gut sortierte Fahrradläden. Ich nutze die Gelegenheit und besorge eine neue Gaskartusche sowie einen kleinen Rückspiegel für meinen Lenker. Nachdem auch die Sepicherkarten meiner Kameras zwischengespeichert und bereinigt sind, bin ich bereit die ansonsten laute und hektische Großstadt hinter mir zu lassen.

Panama habe ich zu diesem  Zeitpunkt bereits gedanklich abgehakt. Vier Wochen haben mir einen für mich ausreichend tiefen Einblick in das, vom Tourismus stark geprägte Land gegeben. Gleichzeitig spüre ich, wie Kolumbien eine täglich größer werdende Anziehungskraft auf mich auswirkt. Einziges Problem: The Darien Gap.

Diesen Namen trägt das Gebiet, durch das die Grenze zwischen Panama und Kolumbien verläuft. Politische Konflikte, Drogenhandel und dichter Dschungel sowie fehlende Straßen machen es fast unmöglich, diese Grenze über Land zu passieren. Nach langer Recherche entscheide ich mich für eine Land-Wasser-Land-Variante. In der Zwischenzeit ist auch meine Radlust wieder aufgekeimt und so sattle ich ein mal mehr meinen Drahtesel.

Von Panama City radle ich in zwei Tagen nach Carti. Nach 70km entlang der Panamericana, biege ich links auf die sogenannte Nuragandi-Road ab. Die Straße ist für ihre steilen und unzähligen Anstiege bekannt und so kommt es, dass ich für die verbleibenden 40km insgesamt knapp 5 Stunden benötige.

Einer der wenigen flachen Abschnitte der Nuragandi-Road
Ausblick von meinem Bett für die Nacht in der Gypsy Eco Lodge Panchamama
Die rustikale Gypsy Eco Lodge Panchamama befindet sich exakt bei Kilometer 10 der Nuragandi-Road. Mitten im Nichts erreichtet ein Franzose dort zusammen mit 24 Volunteers ein selbstversorger Hostel/Lodge/Farm.
 Am Hafen von Carti angekommen, erkundige ich mich nach „El Negro“. Der Mann mit dem einprägsamen Namen bietet meines Wissens nach Boote in Richtung Kolumbien an. Und tatsaechlich wissen die Jungs am Steg sofort wovon ich rede. Zwei Telefonate spaeter erscheint ein Boot, das mich zur sogenannten Carti Island bringt. Von El Negro fehlt nach wie vor jeden Spur, doch am spaeten Nachmittag erscheint ein vermeintlicher Amigo. Er gibt mir zu verstehen, dass ich mit etwas Glück am nächsten Morgen gemeinsam mit ihm und ein paar anderen Reisenden wie erhofft in einer kleinen Lancha nach Capurgana (Kolumbien) schippern kann. Als er jedoch beginnt, von seinem großen Motor zu schwärmen, schwahnt mir bereits übles. Die Frage nach seiner Erfahrung als Kapitän oder gar einer Lizenz erspare ich mir selbst, getreu dem Motto „Teile dieser Antwort koennten [Sie] verunsichern“ (Thomas De Maiziere, 2015).
El Negros Hostel und Restaurant befindet sich direkt neben der „Tankstelle“ auf Carti Island. Die Insel in vermutlich die unattraktivste der insgesamt 365 San Blas Islands und hat neben einem eher schäbigen Museum nichts zu bieten.
Tags darauf erscheint tatsächlich El Capitano (wie ich Ihn fortan nenne) in seiner bereits gut gefuellten Lancha. Um 9 Uhr verlassen wir Carti Island und starten unseren Höllenritt. Es dauert nicht lange, bis der Seegang größer wird und wir förmlich über die Wellen schießen. Mit der Airtime steigt aber zugleich auch die Kompression, die bei jeder Landung auf Körper und Geist wirkt. Ich klemme mir eine übergebliebene Schwimmweste unter mein Gesäß und stemme meine Füße gegen die Sitzbank vor mir.

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Fünf Stunden später ist mein Sitzfleisch bereits gut durchgeweicht, als plötzlich der Motor zu stottern beginnt. El Capitano stoppt das Boot auf offenem Meer und kramt nach Werkzeug. Nach 10 Minuten und einer beachtlichen Zahl an Schimpfwörtern setzen wir unsere Fahrt fort. Drei weitere Reparaturstopps auf offener See später erreichen wir gegen 15 Uhr Puerto Obaldia, den letzten Ort Panamas.

Mit Ausreisestempel im Pass nehmen wir die letzte Etappe in einer Ersatzlancha in Angriff. Gegen 17 Uhr erreichen wir endlich Capurganá – kolumbianisches Festland! Der kleine Ort ist mit Touristen gefüllt, doch die Atmosphäre ist entspannt. Die Einreisebehörde hat bereits geschlossen und so mache ich mich auf die Suche nach einer Unterkunft. In Hectors Hostel werde ich schließlich fündig.

Hectors Hostel in Capurganá
Bester Platz zum Entspannen
Erschöpft von den Ereignissen des Tages, falle ich am Abend ins Bett. Der Tag hat seine Spuren hinterlassen: Sonnenbrand im Gesicht und auf den Oberschenkeln, zermahlenes Sitzfleisch, ein von der Holzlehne aufgeschürfter Rücken, ein abgefallenes Rücklicht (in letzter Sekunde noch aus dem Meer gefischt) und ein verlorener Rückspiegel (gerade erst in Panama gekauft, leider nicht wieder aufgetaucht). Capurganá entpuppt sich jedoch als autoleeres Erholungsörtchen und so entscheide ich mich, ein paar Nächte länger zu bleiben als geplant. Trotz der Strapazen bin ich froh, das Abenteuer anstelle eines Flugs gewählt zu haben.


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