Nach vier Tagen Erholungsurlaub in Capurgana geht mein Bargeld langsam aber sicher zur Neige. Nachdem es in dem kleinen Örtchen keine Geldautomaten gibt, ist es für mich Zeit weiterzuzuziehen. Mein nächstes Ziel ist knapp 400 Straßenkilometer entfernt und lautet Medellin.

Von Capurgana nehme ich den Katamaran nach El Turbo. Er ist das größte von allen Booten und bietet ausreichend Platz für mein Fahrrad. Ganz im Gegensatz zu meinem letzten Erlebnis, werden außerdem Snacks gereicht und ich nehme auf einem gemütlichen Sitz Platz. Die dreistündige Überfahrt genieße ich bei bestem Wetter und in guter Gesellschaft von Cinthia, einer Bolivianerin, die kurz zuvor durch Peru geradelt ist.

Am späten Nachmittag erreichen wir die wenig einladende Hafenstadt El Turbo. Ich schwinge mich in den Sattel und radle 30km nach Apartadó. Es ist Sonntag Nachmittag und die Sonne taucht die weiten Felder und Wiesen in ein wohliges Gold. Auf halbem Weg erreiche ich eine Straßenkontrolle des Militärs. Unsicher Rolle ich an die schwer bewaffneten Männer heran und begrüße sie mit zartester Stimme. Der Dienstälteste tritt an mich heran und begrüßt mich per Handschlag. Mein Angebot, einen Blick in meinen Reisepass zu werfen, lehnt er mit einem breiten Grinsen ab und erkundigt sich stattdessen nach meiner Route. Nach etwas Smalltalk fordert er auch die übrigen acht Soldaten auf, mich der Reihe nach per Handschlag zu begrüßen. Die Männer bedanken sich, dass ich Ihr Land bereise und wünschen mir eine gute Fahrt.
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In Apartadó werde ich schon von Daniela und Liliana, meinen Warmshower Hosts, erwartet. Das Pärchen wohnt in einem noblen Neubau am Stadtrand und überlässt mir das Gästezimmer für die Nacht. Wir verbringen den Abend gemeinsam und unterhalten uns trotz Sprachbarriere prächtig.

Tags darauf strample ich ca. 80km nach Mutatá. Die Strecke ist flach, doch die Sonne treibt mir den Schweiß auf die Stirn. Unterwegs werde ich von zahlreichen freundlichen Bauern, Autofahrern und Bauarbeitern gegrüßt – von bösen Buben und Drogenbossen bislang keine Spur. Nach einer erholsamen Nacht radle ich weiter und erreiche sofort am Ortsausgang den ersten von zahlreichen weiteren Anstiegen. Ab hier windet sich die Straße um stetig größer werdende Berge – ich habe den Fuß der Anden erreicht. Etwa eineinhalb Stunden später bin ich bereits gut aufgewärmt, als neben mir ein Auto langsamer wird. Der Fahrer lässt das Fenster herunter und begrüßt mich freundlich aus dem fahrenden Auto. Er fragt mich nach meiner bisherigen Route und meinem nächsten Ziel. Nach zwei weiteren Kilometern rollendem Smalltalk (bergauf natürlich), bietet mir Dairon an, mich in seinem Auto mit nach Santa Fe zu nehmen. Zunächst lehne ich dankend ab, doch er bleibt hartnäckig und überzeugt mich letztlich einzusteigen. Wir freuen uns scheinbar beide über etwas Gesellschaft und ich habe nichts dagegen, der Hitze und den vielen vor mir liegenden Höhenmetern zu entkommen.








