Nach der Entscheidung, mein Rad in Medellin vorerst stehen zu lassen, setze ich meine Reise mit Rucksack und Bus fort. Insgesamt verbringe ich 89 Tage in Kolumbien. Lies hier, wie es mir bei meiner Freiwilligenarbeit in Filandia und einer 3-Tages Wanderung auf meinen ersten Viertausender ergeht.
Freiwilligenarbeit in Filandia
Blanke Kabel in der Dusche, verschmutzte Sicherungskästen und ein Dschungel aus farbigen Kabeln, die weder einer Logik, noch einer DIN-Norm folgen – das ist das Bild, dass sich mir bei meiner Ankunft in der Finca Santa Rita in Filandia bietet. Yvette und Paul, ein Paar aus London um die 30, haben das Anwesen vor kurzem gekauft und sind im Dezember 2016 dort eingezogen. Zuvor sind sie eineinhalb Jahre mit zwei Motorrädern durch Südamerika gereist. Unter dem Motto „von Reisenden für Reisende“ möchten Sie nun die vielen Zimmer und den riesigen Garten auffrischen und in ein Hostel verwandeln.
Da die Finca jedoch schon etwas in die Jahre gekommen ist, benötigen Sie dafür kräftige Unterstützung und so finde ich mich in guter Gesellschaft von drei weiteren Workaway-Volunteers wieder. Roz aus England kümmert sich um den Garten und die Pferdeställe, Dani aus Australien und Ludo aus der Slowakei erstellen eine Webseite und bereiten Cocktail-Rezepte für zukünftige Gäste vor. Ich verbringe die erste Woche damit, Sicherungskästen zu suchen, zu säubern und Sicherungen zu beschriften sowie die Verkabelung vom Hausanschluss bis zur Steckdose nachzuvollziehen. Hausbesitzer Paul hat in der Zwischenzeit eine lange Wunschliste an Dingen erstellt, die er gerne neu installiert, geändert oder entfernt hätte. Nachdem so manches davon den Horizont meiner praktischen Erfahrung als Freizeitelektriker übersteigt, bin ich froh als sich Kevin, ein Elektriker aus Los Angeles mit 28 Jahren Berufserfahrung ankündigt. Gemeinsam installieren wir Steckdosen, Lichtschalter und Lampen im Akkord, montieren ein Videoüberwachungssystem und erneuern veraltete oder unbrauchbare Leitungen. Im Gegenzug genieße ich drei gekochte Mahlzeiten am Tag und den Luxus eines Einzelzimmer’s. Die Wochenenden nutze ich für einen Ausflug mit Pauls (reparaturbedürftigem) Rad, zum Entspannen in den zahlreichen Hängematten rund um’s Haus und für eine Horseback Riding Tour.
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Außerdem überzeuge ich Paul, mir ein paar Lektionen in Sachen Motorrad fahren zu erteilen und rolle zum Schluss sicher im zweiten Gang um die Finca. Aus zwei Wochen werden schließlich drei und es fällt mir schwer, mich loszueisen. Besonders die relaxte Atmosphäre und das familiäre Miteinander gefallen mir. Doch es zieht mich weiter und so verabschiede ich mich nach einer letzten feuchtföhlichen Nacht von meiner lieb gewonnen „Gastfamilie“.
Trecking im Nationalpark „Los Nevados“
Mein nächstes Ziel liegt nur eine Stunde von Filandia entfernt. Salento ist sozusagen der große Bruder Filandia’s und eines der beliebteste Touristenziele in Kolumbien. Das Dorf ist das Tor zum „Cocora Valley“, in dem sich die höchsten Wachspalmen der Welt bestaunen lassen. Ich besichtige zunächst eine Kaffe-Farm und lerne bei einer Führung, wie der Kaffe von der Pflanze in die Tasse kommt. Mit einigen anderen Reisenden, die ich während der Führung kennenlerne, wandere ich anschließend zu einem nahe gelegenen Wasserfall.
Zurück in Salento laufe ich dem Besitzer der Trecking-Agentur Salento Trecking über die Füße, bei dem ich mich Tags zuvor nach Touren in den nahegelegenen Nationalpark „Los Nevados“ erkundigt hatte. Er hat gute Nachrichten: im Laufe des Tages haben sich zwei weitere Deutsche bei ihm gemeldet, die Interesse an einer Wanderung haben und ich kann mich ihnen anschließen. Ich willige ein und starte Tags darauf mit Sylvia und Sebastian aus München sowie unserem kolumbianischen Tour-Guide Christian eine 3-Tages-Tour zum „Nevado del Quindio“.
Früh morgens werden wir gemeinsam mit anderen Wanderern in einem Jeep zum Eingang des „Cocora Valley“ gebracht. Von dort steigen wir zur „Finca Argentina“ auf 3.446m auf. Nach einem kleinen Schläfchen auf der Ofenbank, versorgt uns die Dame des Hauses mit einem üppigen Abendessen. Am nächsten Tag starten wir erneut früh und müssen uns dennoch spurten, denn vor uns liegt ein langer Weg und Christian befürchtet zunehmend schlechteres Wetter. Den Gipfel auf 4.760m Höhe erreichen wir gegen 13:00 Uhr bei dichtem Nebel und frischen Temperaturen. Doch wir lassen uns die Freude über den Gipfelerfolg nicht nehmen und trotzen dem Wetter mit breitem Grinsen.
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Am Nachmittag steigen wir zur „Finca La Playa“ ab. Nach einer kalten Nacht im Bettenlager, wandern wir am dritten Tag zurück zum Ausgangspunkt. Von dort bringt uns erneut ein Jeep zurück nach Salento. Nach einer heißen Dusche falle ich an diesem Abend erschöpft aber äußerst zufrieden in mein Hostelbett. In den drei Tagen haben wir insgesamt 47,3 Kilometer zurückgelegt und sind 3.300 Höhenmeter auf und wieder abgestiegen.
Zurück in Medellin
Nach einem Monat in der sogenannten „Zona Cafetera“, mache ich mich auf den Weg zurück nach Medellin. Ich bleibe eine Woche und nutze die Zeit, um meine Bewerbungen für Masterstudiengänge voranzutreiben. Zum Ausgleich von Körper und Geist nehme ich an einer „Free Walking Tour“ durch die Innenstadt Medellin’s teil und bekomme während der vierstündigen Führung einen Einblick in Land und Leute, der weit über die Grenzen der Stadt hinaus geht.

