Der Abschied von der Casa Verde fällt mir bereits nach zwei Tagen schwer. Die Freundlichkeit und das Ineresse der Gastgeber an meiner Reise haben mich begeistert. Um das halbkreisförmig aufgetürmte Frühstück zu verspeisen, benötige ich eine geschlagene Stunde. Als erste „richtige“ Etappe habe ich mir für diesen Tag den Weg an die Küstenstadt Puntarenas ausgesucht. Das Wetter ist gut, mein Magen gefüllt – ich strample los.
Die ersten 10km führen von 500m ü.N.N auf 1000m ü.N.N steil bergan. Bereits um 09:00 Uhr herrscht eine Außentemperatur von 29°C und die strahlende Sonne treibt mir Schweißperlen auf die Stirn. Nach etwa zwei Stunden erreiche ich das obere Ende des Passes. Bei einem Apfel genieße ich die Aussicht auf den Pazifik und die grüne Gebirgslandschaft. Ein kleiner Junge auf einem Mountainbike hält neben mir an, auf seinem Helm tront eine GoPro. Er spricht ein paar Worte Englisch und fragt mich nach meinem Ziel. Nach meiner Antwort stutzt er kurz und sagt dann: „Puntarenas? You must be strong!“ Ich muss schmunzlen, denn ab diesem Punkt erwarte ich nur noch abschüssige Straßen bis auf Meereshöhe. Vielleicht kennt er die Gegend nicht besonders gut.
In freudiger Erwartung einer lohnenden Abfahrt, nehme ich die Empfehlung meines GPS links abzubiegen gerne an. Nach ein paar Metern wird die Straße schmäler und führt durch eine kleine Siedlung. Als ich näher komme, errege ich die Aufmerksamkeit mehrere Hunde, die vor den Toren ihrer Besitzer wachen. Im Vorbeirollen erntete ich aufgeregtes Gebell. Ich fühle mich gänzlich unwohl, erhöhe meine Geschwindigkeit und flüchte nach vorne. Weniger als 100m später mündet die Straße in einen verwachsenen Feldweg. Ein prüfender Blick auf mein GPS bestätigt meine Befürchtung: ich bin auf eine vermeintliche Abkürzung abgebogen und von der eigentlichen Route abgekommen. Vor mir liegt ein unpassierbarer Weg, in meinem Rücken wartet eine Horde aufgeschreckter Wadenbeißer auf meine Rückkehr. Ich fasse meinen Mut zusammen und kehre um. Im kleinsten Gang trete ich den Anstieg zurück zum Aussichtspunkt an und bahne mir im Zeitlupentempo einen Weg durch das kläffende Hunderudel, das sich um mein Rad gebildet hat. Nach einer gefühlten Ewigkeit bleiben die Hunde hinter mir zurück und ihr Gebell verstummt.
Zurück auf der ursprünglichen Straße mache ich mich zügig aus dem Staub. Tatsächlich geht es zunächst steil bergab. Die rasanten Abfahrten werden jedoch regelmäßig durch mindestens ebenso steile Gegenanstiege unterbrochen. Ich brauche deutlich länger als gedacht und erreiche erst nach 5.5h Fahrzeit, 70.2km und 1154hm statt der erwarteten 500hm Puntarenas. Der kleine Junge auf dem Mountainbike kannte die Gegend scheinbar doch recht gut.
Am nächsten Tag nehme ich die Fähre nach Paquera um auf die „Nicoya Peninsula“ zu gelangen. Von dort radle ich etwa 40km westlich Richtung Montezuma. Die Straße führt durch tropische Wälder und über große Felder, gesäumt von Nasenbären, Papageien und riesigen Schmetterlingen. Am Nachmittag erreiche ich die „Calle Pura Vida“, in der Megan und Dylan Haskin wohnen. Das Paar aus Kapstadt habe ich über die Internetplattform www.warmshowers.com ausfindig gemacht, auf der sie ihr Gästezimmer Radreisenden anbieten. Megan arbeitet als Lehrerin an einer nahegelegenen internationalen Schule, Dylan ist selbstständiger Fotograf und Kameramann. Wir verstehen uns auf Anhieb und verbringen den Nachmittag bei einer Tasse Kaffe auf dem Sofa. Tags darauf nehmen die beiden mich mit auf eine kleine Wanderung zum nahegelegenen Playa Grande. Und dann ist es endlich soweit: ich nehme Anlauf und springe in den Pazifik.





Servus Andreas, vielen Dank dafür, dass Du uns auf diese Art und Weise mit auf Deine große Reise nimmst! Mein erster B(K)lick am Morgen gehört Deinem Blog. Wenn sich das Radl auf der Landkarte wieder etwas bewegt hat, freue ich mich. In Gedanken strample ich ordentlich mit – darauf kannst Du dich verlassen. Dein Reisebericht liest sich wunderbar und ist wirklich spannend. Wie Du wieder umkehren musstest und die Hunde schon auf Dich gewartet haben…gruselig. Bis bald. Andrea.
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